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ortschatzarbeit
und Aufgabenstellungen
Die erfolgreiche Arbeit am Wortschatz hängt wesentlich auch von
der Art der Aufgabenstel-
lung ab, denn diese initiiert die Arbeit mit dem Wort bzw. den bildungssprachlich relevanten
Wendungen. Lernen ist stets auch mündliches oder schriftliches Sprachhandeln. Daraus ergeben
sich verschiedene Ansprüche an die Schülerinnen und Schüler. Sie müssen nicht nur über den
Allgemein- und Fachwortschatz, der zur Lösung der Aufgabe notwendig ist, verfügen, sondern
auch über den bildungssprachlichen Wortschatz, der in der Aufgabenstellung verwendet wird.
Versteht eine Schülerin/ein Schüler z. B. einen Operator nicht, kann die Lösung kaum gelingen.
Bei der Aufgabenformulierung sollte neben der Eindeutigkeit der Anweisung auch der Aspekt
der Überschaubarkeit berücksichtigt werden. Übermäßig komplexe Arbeitsanweisungen verber-
gen Forderungen eher als sie zu benennen. So ist es besser, für jede Anweisung einen Satz zu
reservieren oder nicht mehr als zwei Teilaspekte in einem Satz zu verbinden, um die Aufgaben-
rekonstruktion durch die Schülerin/den Schüler zu stützen.
Aufgabenstellungen in der Wortschatzarbeit können bezüglich der kognitiven Prozesse im Be-
reich der Reproduktion und des nahen Transfers (z. B. das Wiederholen und Wiedererkennen von
Fachbegriffen) oder des weiten Transfers und der Problemlösung (z. B. Verwendung von Fachvo-
kabular zur Verschriftlichung von Arbeitsergebnissen bei einer Textuntersuchung) angesiedelt
sein. Die in den Arbeitsanweisungen verwendeten Operatoren bzw. Fragen spielen dabei eine
entscheidende Rolle. Sie lenken und unterstützen den Denk- und Lernprozess in unterschied-
licher Weise. So sind z. B. W-Fragen (
Wer, Wie, Was) ebenso wie die Operatoren
Liste auf …,
Benenne …, Füge zusammen auf die Wiedergabe von Erlerntem ausgerichtet. Komplexere Leis-
tungen verlangen andere Operatoren, z. B.
Vergleiche, Interpretiere. Operatoren repräsentieren
dabei bezüglich der geforderten Wissensart beispielsweise Prozeduren
(Nenne) oder Konzepte
(
Analysiere den Text → Textanalyse). Die Eindeutigkeit der Anweisung ist für die Entwicklung
eines erfolgreichen Lösungskonzeptes von entscheidender Bedeutung. Eindeutigkeit entsteht
für die Schülerin/den Schüler aber nur, wenn die geforderte Umsetzung im Vorfeld vermittelt/
verabredet wurde, z. B. welche Lösungsschritte und Lösungsansprüche eine Aufgabe mit dem
Operator
Interpretiere enthält. Auch das ist Wortschatzarbeit. Das Klären des Aufgabenverständ-
nisses gehört somit zu einem der wichtigsten Faktoren für die Entlastung von Lernsituationen.
Das Verstehen des fachsprachlichen Wortschatzes in den Arbeitsanweisungen unterstützt die
erfolgreiche Entwicklung von Lösungskonzepten.
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Sprachsensibler Fachunterricht |
Deutsch
Arbeit am Wortschatz gelingt besonders gut, wenn die Schülerin/der Schüler mehrkanalig ange-
sprochen wird, d. h. wenn ein Arbeitsblatt z. B. auch grafische Elemente enthält, wenn verschie-
dene Sinne angesprochen werden (Hören, Sehen, Fühlen).
Aktive, variantenreiche und erfolgreiche Wortschatzarbeit ist nicht nur ein Beitrag zur intellek-
tuellen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler, sondern auch ein Beitrag zur Entlastung von
Unterricht, indem der Störfaktor Nichtverstehen minimiert wird.
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